Heinz Buschkowsky: "Wir verschließen die Augen"
Wir müssen der gesellschaftlichen Realität endlich ins Auge sehen. Die Jugendämter wenden inzwischen rund 6,5 Milliarden Euro im Jahr für Hilfen zur Erziehung auf. Diese Kosten steigen jährlich um fast zehn Prozent. Die Erziehungsüberforderung von Eltern nimmt in Deutschland rapide zu. Das betrifft alle, nicht nur Migranten. Gleichzeitig verlässt jedes vierte Kind, das sind fast 200.000 im Jahr, die Schule ausbildungsunfähig.
Eine Bertelsmann-Studie belegt, dass die Chance von Kindern aus bildungsfernen Elternhäusern, es bis zum Gymnasium zu schaffen, um 80 Prozent steigt, wenn sie schon früh eine Kita besucht haben. In der Realität allerdings haben gerade diese Eltern die stärkste Distanz zu den frühkindlichen Institutionen.
In Migrantenfamilien gibt es außerdem auch kulturelle Widerstände dagegen (Gegen Kitas). Gerade aus diesen beiden Gruppen wachsen jedoch wegen der hohen Geburtenrate in großer Zahl Kinder ohne ausreichende Chancen auf Bildung und Integration heran. Wir rasen auf ein sehr großes gesellschaftliches Problem zu und können es uns einfach nicht mehr leisten, auf den Erfolg von Appellen zu hoffen. Nach wie vor weigern wir uns, die größeren Erfolge in anderen Ländern anzuerkennen. Dort sind Krippe, Kindergarten und Ganztagsschulen längst selbstverständlich. Wir verschließen die Augen vor den Brandherden der Zukunft.
Erstens: Wir müssen uns darüber klar werden, dass gerade die Kinder der bildungsfernen Milieus von heute morgen die Renten der Bildungsbürger erarbeiten müssen. Denn diese Kinder sind die Humanressourcen der Gesellschaft. Kein Euro, den wir in ihre Köpfe statt in neue Autobahnen investieren, wird verloren sein.
Zweitens: Wir wenden pro Jahr 35 Milliarden Euro für Kindergeld auf. Ich schlage vor, nur noch die Hälfte davon bar auszuzahlen und die andere Hälfte zwingend in die Welt der Kinder, zum Beispiel in Kitas, Schulen, Lehrer, Essen und Schulbücher zu stecken. Das wären jedes Jahr 17 Milliarden Euro zusätzliche Bildungsinvestitionen.
Und drittens: Wir brauchen dringend eine durchgreifende Bildungsreform. Dazu gehört zuerst, den Aberwitz der Bildungspolitik als Länderspielwiese zu beenden und die Kompetenz für diese Schlüsselaufgabe der Zukunft dem Bund zu übertragen.
Heinz Buschkowsky
tagesspiegel.de
Interview Heinz Buschkowsky: Ich bin kein Enkel von Mutter Teresa
Im Jobcenter Neukölln sind 90 Prozent der Kunden unter 25 Jahren ohne weitere Qualifikation objektiv nicht in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Gleichzeitig haben wir hier in Berlin 1000 freie Ausbildungsplätze. Viele junge Menschen bringen aber einfach die Grund lagen für eine Ausbildung nicht mit. Es geht um soziale Kompetenzen. Morgens zu einer bestimmten Zeit aufstehen, Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, die Grundrechenarten und die deutsche Sprache. In Nord Neukölln beziehen 2 / 3 bis 3 / 4 der Kinder unter 14 Jahren Hartz IV und in den Schulen sind bis zu 90% der Eltern von der Zuzahlung für die Schulbücher befreit. Viele Kinder kennen niemanden mehr, der regelmäßig zur Arbeit geht. Das Geld kommt vom Amt.
Der Islam ist in seiner orthodoxen und traditionell ursprünglichen Form mit einer modernen Verfassung nicht in Einklang zu bringen, weil er die Trennung von Staat und Religion nicht akzeptiert. Die alevitische Lesart und Lebensweise des Islam setzt da schon andere Maßstäbe.
Wir müssen die jungen Menschen in den Schulen durch Wissen so emanzipieren, dass sie keinen Bock mehr auf tradierte Parallelgesellschaft haben.
auf Kölner Stadt-Anzeiger
Heinz Buschkowsky
„2004 habe ich mit meiner Aussage, dass Multikulti in Deutschland gescheitert ist, so eine Grenze überschritten“, erklärt er. „Von da an wurde das Thema diskutiert.“ Und gerade jetzt hat er sie mal wieder überschritten, diese Grenze, indem er das Betreuungsgeld der schwarz-gelben Koalition mit derben Worten anprangerte. Glaubt man Buschkowsky, dann wird dieses Geld niemals bei den Kindern ankommen. „Im Klartext: In der deutschen Unterschicht wird es versoffen, und in der migrantischen Unterschicht kommt die Oma aus der Heimat zum Erziehen, wenn überhaupt.“ Kinder würden so noch mehr zum Einkommensfaktor.
„Dürfen wir wirklich so lange in Deutschland warten, bis wir aufgegebene Stadtviertel wie in London haben oder Gegenden, in denen Nichtmuslime nur schwer leben und arbeiten können und Sharia-Gerichte offizieller Justizbestandteil sind?“
„Gerade die Sozialdemokratie muss sich aus ihrem Ursprung heraus um diese Probleme kümmern“...
faz.net
Heinz Buschkowsky: Integration muss konsequent gesteuert werden
von Heinz Buschkowsky,
Bürgermeister des Berliner Bezirks Neukölln
Die friedliche Koexistenz unterschiedlicher Kulturen und die Integration von Menschen in fremde Gesellschafts- und Rechtsgefüge sind keine naturgesetzlichen Selbstläufer, sondern Prozesse, die die Gesellschaft sensibel, aber auch mit Konsequenz steuern muss.
Eine Gesellschaft benötigt für ein möglichst friedliches Miteinander Regeln. Bildung ist in einer hoch technisierten Gesellschaft die Grundlage für die Realisierung des eigenen Lebensentwurfs. Dies gilt auch dort, wo die Werte des Bildungsbürgertums nicht zum Alltag gehören. Allerdings löst das Aussprechen dieser eigentlichen Selbstverständlichkeiten regelmäßig Aufregung aus.
Es sind meist Großstadtlagen, in denen der öffentliche Raum von Verwahrlosung bedroht ist und Arbeitslosigkeit, Verarmung sowie Kriminalität das Sozialgefüge beeinträchtigen und somit die Integration zur Existenzfrage der Zukunft machen. Das gilt auch in Nord-Neukölln, wo in zehn Jahren drei von vier Menschen einen Migrationshintergrund haben werden.
Schon heute bildet hier bei dreiviertel aller Kinder Hartz IV die Lebensgrundlage, erleben Lehrer, dass so gut wie kein Elternteil ihrer Schüler in einem geregelten Erwerbsleben steht, die Zahl der jugendlichen Intensivtäter stetig steigt und die Familien mit sozialer Kompetenz, insbesondere die mit Migrationshintergrund, die Wohngebiete verlassen.
debatte.welt.de
Wer mit Müll wirft, bekommt keine Sozialhife
Auf seinen Reisen begegnete Buschkowsky nach eigenen Angaben zwei unterschiedliche Welten. Während die Londoner Regierung die Bewohner von Problemkiezen wie Whitechapel sich selbst überließe, fahre Rotterdam eine Strategie des frühzeitigen Eingreifens. Noch vor fünf Jahren habe es in der niederländischen Hafenstadt Viertel gegeben, in die sich die Polizei nicht mehr hineingetraut habe. Doch inzwischen haben sich die Situation einschneidend verändert.
morgenpost.de